In einem kleinen Dorf im Bremer Umland, zwischen hohen Bäumen, am Ende eines holprigen Weges, war ich das erste Mal auf einem Schützenfest.Es gab leckere Pizza, Bier trank man aus einem Eimer und abends spielte eine Band laut Musik. Zwischendurch wurde geschossen (ich versuchte mich auch einmal – da braucht man ja ein ganz schön ruhiges Händchen). Am Ende, bei der sogenannten Proklamation wird dann der beste Schütze zum König und die beste Schützin zur Königin ernannt. Ein Ehrentanz darf nicht fehlen und danach wird angestoßen – mit allen, die man so kennt (und auch nicht kennt), gerne auch mehrmals – vom Siegergeld bleibt meist nicht viel (wenn überhaupt etwas) übrig. Was aber tatsächlich bleibt, ist die Königskette, die von nun an stolz über alle folgenden Schützenfeste getragen werden darf. Tja, so ungefähr läuft das. Eine Menge Leute haben Spaß, eine Menge Leute trinken zu viel, und wiederum andere fragen sich: Wozu das ganze? Wozu brauchst es überhaupt diese ganzen Schützenvereine?
Tatsächlich gibt es Schützenvereine schon seit dem 19. Jahrhundert. Entstanden sind sie aus Heeresverbänden, Mitglieder waren anfangs oft Kriegsveteranen. Für den Frieden wurden sie bestimmt nicht gegründet, auch nicht für die Volkesbelustigung, für die sie heute oft dienen. Schützenvereine „stiften Identität und schaffen Heimatgefühl. Da die Schützenvereine über das fröhliche Feiern hinaus Gemeinschaft pflegen, bilden sie ein engmaschiges soziales Netz. Damit leisten sie Integrationsarbeit“, das sagt zumindest die Rheinische Post.
Komisch, auch ich habe Heimatgefühle, obwohl ich nie Mitglied in einem Schützenverein war. Und noch seltsamer, auch ich habe schon oft fröhlich gefeiert.
Heute stellt man sich angesichts von Amokläufen, wie den in Winnenden eher die Frage: "Sind Schützenvereine Killerschmieden?" Zumindest der Spiegel und ich tun das.Wozu müssen Menschen lernen, mit einer Schusswaffe umzugehen? Natürlich ist Schießen auch ein Sport. Ein schwieriger sogar. Aber Schießen kann man auch mit einem (stumpfen) Pfeil und Bogen oder man wirft Dartpfeile. Bringt genauso viel, ist aber humaner und würde unsere Welt etwas sicherer machen.
Mal ganz ehrlich: Schützenvereine sind längst überholt und gehören ausgetauscht. Es warten genug andere Vereine auf ihre Gründung. Also zieht endlich Eure Uniformen aus, legt die Königsketten ab und schlüpft in die Fussballschuhe, die Reiterhosen, spielt Theater und veranstaltet Dorf- oder Straßenfeste. Ihr werdet sehen: Auch ohne den Schützenverein ist das Leben schön.
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